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Ivanhoe.  Walter Scott
Kapitel 14.
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Wenn einst, gehüllt in rohe Pracht,
Das alte Ritterthum den hehren Pomp
Des edlen Waffenspiels entfaltete,
Versammelten sich beim Trompetenruf
Des Landes Häupter und geschmückte Damen
In eines stolzen Schlosses Bogenhalle.
Warton.

In dem Schlosse zu Ashby hielt Prinz Johann sein Festbankett. Dieses und das Städtchen Ashby gehörten damals Roger de Quincy, Grafen von Winchester, der zur Zeit, wo unsere Geschichte spielt, im heiligen Lande abwesend war. Prinz Johann hatte sich unterdessen seines Schlosses bemächtigt und ohne Weiteres über seine Besitzungen verfügt; und da er jetzt die Augen der Welt durch Gastlichkeit und Pracht zu blenden suchte, hatte er den Befehl ertheilt, die Vorbereitungen zum Bankett so glänzend als möglich zu machen.

Was nur das Land Köstliches lieferte, zierte die Tafel; auch war die Zahl der Gäste außerordentlich groß; und da der Prinz jetzt um die Volksgunst buhlen mußte, so hatte er seine Einladungen sogar auf ein paar sächsische und dänische Familien ausgedehnt.

Wie sehr verachtet und herabgedrückt sie auch bei gewöhnlichen Gelegenheiten sein mochten, so mußte doch die große Zahl angelsächsischer Familien bei drohenden bürgerlichen Unruhen dieselben furchtbar machen, und es war darum eine von selbst gebotene Politik, sich mit ihren Häuptern in gutes Einvernehmen zu setzen.

Es war demgemäß eine Zeit lang des Prinzen Absicht, diese seltenen Gäste mit einer Artigkeit zu behandeln, an die sie in der That wenig gewöhnt waren. Aber obschon er darin alle andern übertraf, daß er stets seine Gewohnheiten und Gefühle dem augenblicklichen Interesse unterzuordnen vermochte, so war es doch ein Unglück für den Prinzen, daß sein Leichtsinn und Muthwille immer wieder vorbrach und das, was er durch Verstellung gewonnen, wieder zu nichte machte. So war er einst von seinem Vater Heinrich II. nach Irland geschickt worden, um die Gemüther des Volkes für die englischen Pläne zu gewinnen. Der Prinz aber mußte, als man ihm huldigte, die wilden Kerns und Galloglassen an ihren langen Bärten zupfen, was einen Aufruhr im ganzen Lande hervorrief.

So empfing er denn, gemäß seinem in kühleren Augenblicken gefaßten Entschlusse, Cedric und Athelstane mit ausgezeichneter Höflichkeit und war durchaus nicht empfindlich, als Unpäßlichkeit für das Nichterscheinen Rowenas vorgeschützt wurde.

Cedric und Athelstane waren beide in altsächsische Tracht gekleidet, die, wenn auch an sich nicht häßlich und für diesen Fall aus kostbarem Stoff gefertigt, dennoch in Schnitt und Ansehn von der der übrigen Gäste so sehr abstach, daß sich Prinz Johann und Waldemar Fitzurse große Gewalt anthun mußten, um das Lachen zu unterdrücken.

In den Augen jedes Verständigen mußte die kurze, eng anschließende Tunica und der lange Mantel der Sachsen weit gefälliger erscheinen als die Tracht der Normänner, deren Untergewand ein langes Wamms von solcher Weite war, daß es einem Hemde oder Fuhrmannskittel glich, und über diesem trug man einen knapp geschnittenen Mantel, der weder vor Kälte noch vor Regen schützte, und nur getragen wurde, um die Stickerei und den Juwelenbesatz zu zeigen, der darauf angebracht war.

Die Gäste hatten sich zur Tafel gesetzt, die unter der Menge kostbarer Gerichte zu brechen drohte. Außer den einheimischen Gerichten, welche die zahlreichen Köche des Prinzen unter den verschiedensten Gestalten zuzubereiten wußten, gab es auch eine Menge aus dem Auslande stammender Leckereien, als da sind zahlreiche Pasteten, Rosinenkuchen, Weißbrödchen, Streußelkuchen, die damals nur auf den Tafeln der hohen Aristokratie zu finden waren. Zu gleicher Zeit wurden die köstlichsten Weine aus allen Gegenden der Erde herumgereicht.

Doch, wenn auch dem Luxus geneigt, waren die normännischen Edlinge im Allgemeinen nichts weniger als unmäßig. Wenn sie sich wirklich den Tafelfreuden ergaben, so strebten sie mehr nach Delikatessen und mieden das Uebermaß, wogegen sie Völlerei und Trunkenheit den besiegten Sachsen als Laster vorwarfen, die aus ihrer untergeordneten Stellung entsprängen. Prinz Johann und die Schmeichler, welche seine Schwächen nachahmten, waren freilich nur zu geneigt, auch in den Tafelfreuden auszuschweifen; man weiß ja, daß der Tod des Prinzen nach dem übermäßigen Genuß von Pfirsichen und jungem Biere erfolgte; doch wurde seine Lebensweise immer als eine Ausnahme von den Sitten seiner Landsleute angesehn.

Mit listiger Ernsthaftigkeit, die nur durch Zeichen, die sie einander gaben, unterbrochen wurde, betrachteten die normännischen Ritter und Edelleute das rohere Benehmen Athelstanes und Cedrics bei einem Bankett, an dessen Form und Sitte diese gar nicht gewöhnt waren. Während ihr Verhalten so der Gegenstand beobachtenden Spottes wurde, überschritten die unkundigen Sachsen unbewußt manche der Regeln, die für die Zwecke der seinen Geselligkeit aufgestellt waren. Nun weiß man ja, daß jemand weit eher und strafloser ein wirkliches Moralgesetz übertreten, als unbekannt mit der geringfügigsten Bestimmung der Etikette und des guten Tons scheinen darf. So machte sich Cedric, der seine feuchten Hände an einer Serviette trocknete, statt deren Feuchtigkeit durch anmuthiges Schwenken in der Luft verdunsten zu lassen, noch lächerlicher als sein Gefährte Athelstane, der eine ganze Carum-Pastete, die aus den köstlichsten fremden Leckereien bestand, allein und auf einem Niedersitzen hinunteraß. Als man indessen nach ernsthafter Untersuchung die Entdeckung machte, daß der Edling von Coningsburgh keinen Begriff von dem hatte, was er verzehrte, sondern den Inhalt der Pastete für Lerchen- und Taubenfleisch hielt, während es doch Becassinen und junge Nachtigallen waren, setzte ihn seine Unwissenheit einem weit größeren Gelächter aus, als sein gesunder Appetit eigentlich verdient hatte.

Das lange Mahl ging nun zu Ende, und während der Becher ungehindert kreiste, sprach man von den Thaten des vorhergegangenen Turniers, von dem unbekannten Sieger im Bogenschießen, von dem schwarzen Ritter, dessen Selbstverleugnung ihn der ihm gebührenden Ehre entzogen, und von dem tapfern Ivanhoe, der den Lorbeer des Tages so theuer erkauft hatte. Man äußerte sich mit kriegsmännischer Freimüthigkeit, und Scherz und Lachen erfüllten die weite Halle.

Nur auf des Prinzen Gesicht ruhten während dieses Gesprächs düstere Wolken; irgend eine überwältigende Sorge lastete auf seinem Gemüth, und er nahm, wie es schien, nur dann an dem, was um ihn vorging, Theil, wenn ihm von seiner Umgebung gelegentlich ein bedeutungsvoller Wink gegeben wurde. In solchem Falle aber pflegte er plötzlich aufzuspringen, einen Humpen Wein hinunterzustürzen und sich dann mit abgebrochenen Bemerkungen in die Unterhaltung zu mischen.

»Wir trinken diesen Becher,« sagte er, »auf das Wohl Wilfreds von Ivanhoe, des Siegers in diesem Waffengang, und bedauern, daß seine Wunde ihn gehindert hat, an unserm Mahle Theil zu nehmen. Schenkt alle Becher voll zu diesem Toast, vornehmlich aber thut Ihr es, Cedric von Rotherwood, der würdige Vater eines so hoffnungsreichen Sohnes.«

»Nein, Mylord,« versetzte Cedric, indem er aufstand und den Becher umgekehrt auf den Tisch stellte, »ich kann dem ungehorsamen Jünglinge, der meine Befehle mißachtete und Sitte und Brauch seiner Väter verließ, den Namen eines Sohnes nicht geben.«

»Das ist unmöglich!« rief der Prinz mit gut geheucheltem Erstaunen, »kann ein so tapferer Ritter ein unwürdiger oder ungehorsamer Sohn sein?«

»Und dennoch, Mylord,« entgegnete Cedric, »ist es so mit Wilfred. Er verließ seinen väterlichen Herd, um sich zu dem lustigen Adel am Hofe Eures Bruders zu gesellen, wo er jene Reiterkünste erlernte, die Ihr so hoch erhebt. Er verließ ihn gegen meinen ausdrücklichen Willen und Befehl, und zu Alfreds Zeit hätte das Ungehorsam geheißen – ja, es wäre ein schwer zu ahndendes Verbrechen gewesen.«

»Ach,« entgegnete der Prinz mit einem tiefen Seufzer verstellter Theilnahme, »da Euer Sohn ein Anhänger meines unglücklichen Bruders war, so brauchen wir nicht zu untersuchen, von wem er diese Grundsätze des kindlichen Ungehorsams annahm.«

So redete derselbe Prinz Johann, der sich bewußt war, daß unter allen Söhnen Heinrichs II., wiewohl keiner ganz frei von Schuld war, er sich am meisten durch den Geist der Empörung und des Ungehorsams ausgezeichnet hatte.

»Ich dachte,« sagte er nach einer kurzen Pause, »mein Bruder wäre Willens gewesen, seinen Günstling mit den reichen Besitzungen von Ivanhoe zu belehnen.«

»Er belehnte ihn in der That mit denselben,« entgegnete Cedric, »auch ist dies grade ein Hauptgrund der Klage gegen meinen Sohn, daß er sich soweit erniedrigte, die Besitzungen als Lehnsgüter anzunehmen, die seine Väter als freies und unabhängiges Eigenthum besessen hatten.«

»So werden wir also wohl unschwer Eure Einwilligung erhalten, guter Cedric,« sagte Prinz Johann, »wenn wir dieses Lehn einem Manne übertragen, dessen Würde es nicht widerstrebt, Besitzungen von der Krone als Lehn zu erhalten. – Sir Reginald Front de Boeuf,« sagte er, zu diesem Baron gewendet, »ich hoffe, Ihr werdet die Baronie Ivanhoe so vertheidigen, daß Sir Wilfred sich das Mißfallen seines Vaters nicht weiter zuziehen kann.«

»Beim heiligen Antonius!« antwortete der finstre Hüne, »Eure Hoheit mag mich einen Sachsen nennen, wenn entweder Cedric oder Wilfred, oder der beste vom sächsischen Blute mir das Geschenk wieder entreißen sollte, mit dem Eure Hoheit mich beehrt hat.«

»Wer Dich einen Sachsen nennen würde, Baron,« antwortete Cedric, beleidigt durch die Art, mit der die Normannen ihre Verachtung gegen die Eingebornen ausdrückten, »thäte Dir eine eben so große als unverdiente Ehre an.«

Front de Boeuf wollte antworten, doch Prinz Johanns Muthwille kam ihm zuvor.

»Gewiß, Mylords,« sagte er, »der edle Cedric redet die Wahrheit, denn sein Geschlecht übertrifft das unsrige sowohl hinsichtlich der Länge ihrer Stammbäume, als auch ihrer Mäntel.«

»Im Felde gehen sie uns auch wirklich voran, wie das Wild den Hunden,« meinte Malvoisin.

»Und mit gutem Recht gehen sie uns voran,« sagte der Prior Aymer, »wenn man ihre anständigeren und feineren Sitten bedenkt.«

»Ihre ausgezeichnete Enthaltsamkeit und Mäßigkeit,« sagte de Bracy, wobei er das Project vergaß, das ihm eine sächsische Braut verschaffen sollte.

»Dazu ihr Muth und ihre Tapferkeit,« sagte Brian de Bois-Guilbert, »durch die sie sich bei Hastings und anderwärts ausgezeichnet haben.«

Während die Höflinge mit glatten und lächelnden Wangen in dieser Weise dem Beispiele ihres Prinzen folgten, und die Pfeile des Spottes der Reihe nach gegen Cedric sandten, flammte das Gesicht desselben von innerem Zorn; er schoß grimmige Blicke bald auf den einen bald auf den andern, da die schnelle Aufeinanderfolge der Beschimpfungen ihm nicht gestattete zu antworten. Er glich einem gereizten Stiere, der, umringt von seinen Peinigern, nicht weiß, wen er zum unmittelbaren Gegenstand seiner Rache wählen soll. Endlich sprach er mit einer Stimme, die der Ingrimm zur Hälfte erstickte: »Welches auch die Thorheiten und Fehler unseres Volksstammes sein mögen, ein Sachse würde nîdhing oder, wenn Ihr das besser versteht, Hundsfott genannt worden sein, der einen friedlichen und stillen Gast in seinem Hause, während er ihm den gastlichen Becher reicht, auf die Art behandelt hätte, wie ich vor Eurer Hoheit Augen behandelt worden bin; und wie groß auch das Unglück unserer Väter auf dem Schlachtfelde von Hastings gewesen sein mag, die wenigstens sollten nicht prahlen,« – hier sah er Front de Boeuf und den Templer an, – »die in wenigen Stunden mehrmals vor der sächsischen Lanze Bügel und Sattel verloren haben.«

»Meiner Treu, ein beißender Scherz!« sagte Prinz Johann. »Wie gefällt euch das, meine Herren? Unsere sächsischen Unterthanen werden scharf an Witz, und kühn im Benehmen in diesen unruhigen Zeitläuften. Was sagt ihr dazu, meine Herren? Beim Himmel, es wäre am besten, wir bestiegen unsre Schiffe wieder und segelten bei Zeiten nach der Normandie zurück.«

»Aus Furcht vor den Sachsen?« sagte de Bracy und lachte. »Wir brauchen für die nicht einmal Kriegswaffen – mit Sauspießen treiben wir sie zu Paaren.«

»Still mit eurem Gespött, ritterliche Herren!« sagte Fitzurse; »es wäre gut,« fügte er zum Prinzen gewendet hinzu, »wenn Eure Hoheit dem wackern Cedric versichern wollte, daß eine Beleidigung mit den Scherzen nicht beabsichtigt gewesen sei, die im Ohre eines Fremden allerdings unangenehm klingen mußten.«

»Beleidigung!« versetzte der Prinz, und nahm die höfliche Miene von vorhin wieder an, »ich glaube nicht, daß hier jemand von mir glaubt, ich könnte irgend wen in meiner Gegenwart beleidigen lassen. Hier fülle ich meinen Becher selbst auf Cedrics Wohl, da er sich weigert, auf die Gesundheit des eignen Sohnes zu trinken.«

Der Becher kreiste nun unter den erheuchelten Beifallsbezeugungen der Hofleute, doch machte dies keineswegs den erwarteten Eindruck auf das Gemüth des Sachsen. Wenn auch von Natur nicht eben scharfsinnig, wurde sein Verstand doch von denen unterschätzt, die da glaubten, das schmeichelhafte Compliment sollte das Gefühl der erfahrenen Kränkung in ihm aufheben. Er war jedoch ganz still, als der Becher auf das Wohl »des Edlings von Coningsburgh« herumging.

Der Edling that Bescheid und bewies sein Ehrgefühl dadurch, daß er einen mächtigen Humpen auf einen Zug leerte.

»Und nun, ihr Herren,« sagte Prinz Johann, den allgemach der genossene Wein etwas zu erhitzen anfing, »da wir unsern sächsischen Gästen Satisfaction gegeben haben, so bitten wir sie auch um eine Erwiderung unsrer Höflichkeit. – Würdiger Herr von Rotherwood, dürfen wir Euch ersuchen, uns einen Normannen zu nennen, dessen Namensnennung Euren Mund am wenigsten verunreinigt, und mit einem Becher Weins alle Bitterkeit hinabzuspülen, die der Klang etwa noch auf den Lippen zurückgelassen haben könnte?«

Fitzurse stand auf, während der Prinz redete, und schlich sich hinter den Sessel des Sachsen, dem er zuflüsterte, er möge diese Gelegenheit nicht entschlüpfen lassen, dem Unfrieden zwischen den beiden Nationen ein Ende zu machen. Der Sachse antwortete nicht auf diese politische Insinuation, sondern stand auf, füllte seinen Becher bis zum Rande, und wandte sich an den Prinzen Johann mit den Worten:

»Eure Hoheit hat verlangt, ich sollte einen Normannen nennen, der bei diesem Bankett besonders erwähnt zu werden verdiene. Das ist vielleicht keine geringe Aufgabe, da sie den Sklaven auffordert, das Lob des Unterdrückers zu verkünden – da sie dem Besiegten zumuthet, in der bedrängten Lage der Botmäßigkeit den Ruhm seines Siegers zu verkünden. Indeß will ich doch einen Normannen nennen – den Ersten an Rang und Waffenruhm – den Besten und Edelsten seines Geschlechts. Und die Lippen, die nicht mit mir auf seine wohlverdienten Ehren trinken wollen, nenne ich verrätherisch und ehrlos, und werde das mit meinem Leben behaupten und verantworten. – Ich leere diesen vollen Becher auf das Wohl Richards – Richards des Löwenherzigen.«

Prinz Johann, der nichts gewisser erwartet hatte, als am Schluß der Rede seinen eignen Namen genannt zu hören, fuhr auf, als er den seines gekränkten Bruders vernahm. Er erhob mechanisch seinen Becher und führte ihn zu den Lippen, doch trank er nicht, sondern setzte ihn vielmehr unberührt nieder, um zu beobachten, wie sich die Gesellschaft bei dem unerwarteten Vorschlage verhielte. Viele unter den Anwesenden hielten es für eben so unrathsam sich zu widersetzen als einzustimmen. Unter den Hofleuten hielten sich die ältesten und erfahrensten genau an das Beispiel des Prinzen selbst, führten ihren Becher zum Munde und setzten ihn, ohne daraus getrunken zu haben, wieder vor sich hin. Einige von ihnen, die von edleren Gefühlen geleitet waren, riefen jedoch: »Lange lebe König Richard! und möge er uns recht bald zurückgegeben werden!«

Wenige, und unter diesen Front de Boef und der Templer, ließen in finstrem Unmuthe die Becher unberührt vor sich stehen. Niemand jedoch wagte geradezu und bestimmt den Toast auf das Wohl des regierenden Monarchen zurückzuweisen.

Nachdem Cedric etwa eine Minute lang seinen Triumph genossen hatte, sagte er zu seinem Gefährten: »Komm, edler Athelstane; wir sind lange genug hier gewesen, nachdem wir die gastliche Höflichkeit des Prinzen Johann bei seinem Bankett erwidert haben. Die, welche mehr von unsern groben sächsischen Sitten kennen zu lernen wünschen, mögen uns in Zukunft selbst in den Hallen unserer Väter aufsuchen; wir haben von den fürstlichen Banketten und der normännischen Höflichkeit gerade genug gesehn.«

Mit diesen Worten erhob er sich und verließ den Bankettsaal, begleitet von Athelstane und einigen andern Gästen, die als Verwandte sächsischer Familien sich durch den Spott des Prinzen und seiner Hofleute ebenfalls beleidigt fühlten.

»Bei den Gebeinen des heiligen Thomas Becket«, sagte Prinz Johann, als sie sich entfernten, »die sächsischen Tölpel haben den Ruhm des Tages davon getragen und sich im Triumph zurückgezogen!«

»Conclamatum et poculatum est,« sagte Prior Aymer, »wir haben gezecht und geschrieen, es scheint nun Zeit, die Weinkrüge bei Seite zu stellen.«

»Der Mönch muß heute Nacht noch die Beichte einer schönen Büßerin hören wollen, da er es so eilig hat,« sagte de Bracy.

»Nicht so, Herr Ritter,« erwiderte der Abt; »aber ich muß heute noch einige Meilen meiner Heimreise zurücklegen.«

»Sie brechen auf,« sagte der Prinz leise zu Fitzurse; »ihre Furcht geht den Ereignissen voraus, und dieser feige Prior ist der Erste, der von mir abfällt.«

»Seid ohne Furcht,« sagte Waldemar, »ich will schon solche Gründe bei ihm vorbringen, daß sie ihn veranlassen sollen, bei unserer Zusammenkunft in York zu erscheinen.« »Herr Prior,« rief er dem Scheidenden zu, »ich muß noch, ehe Ihr Euern Zelter besteigt, ein Wörtlein mit Euch allein reden.«

Die Gäste hatten sich jetzt sämmtlich zerstreut, bis auf die, welche unmittelbar zur Partei oder zum Gefolge des Prinzen gehörten.

»Dies also ist die Frucht Eure Rathes,« sagte der Prinz und wandte sich verdrießlich an Fitzurse, »daß ich an meinem eignen Tische von einem angetrunkenen sächsischen Flegel verhöhnt werde, und daß beim bloßen Klange des Namens Richard die Leute sich von mir zurückziehn, als ob ich den Aussatz hätte.«

»Nur Geduld, Herr,« versetzte der Rathgeber, – »ich könnte Euch Eure Beschuldigung zurückgeben, und die Unüberlegtheit, ja den Leichtsinn tadeln, der meinen Plan vernichtete, und Euer eignes besseres Urtheil mißleitete. Aber es ist jetzt keine Zeit zu gegenseitiger Anklage. de Bracy und ich wollen uns sofort zu den feigen Abtrünnigen gesellen, und sie überzeugen, daß sie sich bereits zu weit eingelassen haben, um wieder zurückzutreten.«

»Das wird wohl vergebens sein,« sagte Prinz Johann, und maß mit unruhigen Schritten das Zimmer, wobei der genossene Wein seine Aufregung vermehrte, – »es wird wohl vergebens sein, – sie haben des Löwen Tatze im Sande gesehen, – sie haben gehört, wie die Nähe seines Brüllens den Wald beben macht, – nichts vermag ihren Muth wieder zu beleben.«

»Wollte Gott, daß irgend etwas den seinigen wieder beleben könnte,« sagte Fitzurse leise zu de Bracy. »Schon seines Bruders Name macht ihm Fieberangst. Unglücklich sind die Berather eines Prinzen, dem es an Entschlossenheit und Ausdauer fehlt, sei es zum Guten oder zum Bösen.«