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Der graue feuchte Himmel schien auf der weiten traurigen Ebene zu lasten. Der Herbstduft, der Dunst der kahlen Erde, der welkenden Blätter, des toten Grases machte die bewegungslose Abendluft dick und schwer. Die Bauern arbeiteten noch hier und da auf den Feldern, das Vespergeläut abwartend, das sie auf die Gutshöfe rufen sollte, deren Dächer man hier und da durch die Zweige der entblätterten Bäume sah, durch Apfelbaumreihen, die sie vor dem Winde schützten.

Am Wegesrand saß auf einem Kleiderbündel ein ganz kleines Kindchen. Es hatte die Beine auseinandergespreizt, spielte mit einer Kartoffel, die es ab und zu in den Schoß fallen ließ, während fünf Frauen auf dem Nebenfeld gebückt Raps pflanzten. Mit langsamer regelmäßiger Bewegung gingen sie in der Ackerfurche hin, die der Pflug eben ausgehoben und bohrten ein spitzes Holz in die Erde, um dann in das Loch das schon etwas welke Pflänzchen, das den Kopf hängen ließ, zu stecken. Darauf deckten sie die Wurzel zu und gingen ein Stück weiter.

Ein Mann schritt vorüber, die Peitsche in der Hand, Holzschuhe an den Füßen, blieb bei dem Kind stehen, nahm es auf und küßte es. Da erhob sich eine der Frauen und näherte sich ihm, ein großes rotwangiges Mädchen, breitschultrig und untersetzt, eine starke, normannische Dirne mit gelbblondem Haar und hellem Teint.

Sie sagte sehr sicher:

– Na Cäsar, da bist de ja nu.

Der Mann, ein großer hagerer Bursche mit traurigem Gesicht brummte:

– Nu ´s is noch nischt, ´s is egal dasselbe.

– Er will nich?

– Er will nich.

– Was wirschte denn nu machen?

– Das wees ich noch nich.

– Geh doch zum Pfarrer.

– Nu, mir soll´s recht sein.

– Aber Du machst sofort hin.

– Nu ja.

Nnd sie blickten sich an. Er hielt immer das Kind im Arm, küßte es wieder und setzte es auf die Kleidungsstücke zurück.

Am Horizont sah man zwischen zwei Bauernhöfen einen Pflug kommen, den ein Pferd zog und ein Mann schob. Ganz langsam kam das Tier, dann die Pflugschaar und der Pflüger über den farbigen Abendhimmel gezogen.

Das Mädchen fragte:

– Was hat denn der Vater gesagt?

– Er meent, da giebt´s nischt.

– Nu, was hat er denn?

Der Bursche deutete mit einer Handbewegung auf das Kind, das er eben zu Boden gesetzt, dann mit dem Blick auf den Mann, der drüben pflügte und sagte:

– Nu, weil Dei Kind von dem da is.

Das Mädchen zuckte die Achseln und meinte wütend:

– Nu, Gott verdamm mich, das wees doch jeder, daß es Victorn seiner is. Nu un was is denn da dabei? Ich habe eben ´ne Dummheit gemacht. Ich bin doch nich die eenzige. Die Mutter hat ooch ne Dummheet gemacht, ehe se mich geboren hat, un Deine ooch, ehe se Deinen Vater geheuert hat. 's giebt doch gar keene im Lande, die das nich gemacht hat. Ich hab's eben mit Victorn gemacht, weil er mich in der Scheune überfallen hat, als ich schlief, das is richt'g, nu un denn ging's weiter, wie ich nich mehr schlief. Ich hätte ihn sicher geheuert, wenn er nich Knecht gewesen wäre. Bin ich deswegen schlechter?

Der Mann antwortete einfach:

– Nu, ich will Dich ja ooch wie De bist mit oder ohne Kind, 's is doch nur der Alte, der nich will. Mer wern schon die Sache deichseln.

Sie meinte:

– Geh mal gleich zum Herrn Pfarrer.

– Nu ja, ich mache hin.

Und er setzte sich mit schwerem Bauernschritt in Gang, während das Mädchen die Hand auf die Hüften stemmte und wieder Raps pflanzen ging.

In der That wollte der Mann, der da fortlieft Cäsar Houlbreque, der Sohn des alten Amable Houlbreque, gegen den Wunsch seines Vaters Cölestine Levesque heiraten, die ein Kind hatte von Victor Lecoq, einem gewöhnlichen Knecht, der bisher auf dem Bauernhof ihrer Eltern gedient hatte und nun deswegen hinausgeschmissen worden war.

Auf dem Lande giebt es übrigens kein Kastenwesen, und wenn der Knecht sparsam ist, wird er, sobald er einen Bauernhof übernimmt, dasselbe wie sein früherer Herr.

Cäsar Houlbreque ging also seines Weges, die Peitsche unter dem Arm, über seinen Ideen brütend, indem er die schweren Holzschuhe, an denen Erdballen klebten einen nach dem anderen aufhob. Gewiß wollte er Cölestine heiraten mit dem Kind, weil sie die Frau war, die er brauchte. Er hätte nicht sagen können, warum, aber er wußte, daß es so war und war seiner Sache sicher. Er brauchte sie nur anzublicken, dann fühlte er sich ganz eigen, ganz dumm vor Befriedigung. Es machte ihm sogar Spaß, das Kind zu küssen, Victors Kind, nur weil es von ihr kam.

Und ohne Haß im Herzen sah er in der Ferne die Gestalt des Mannes sich vom Himmel abzeichnen, der dort hinter dem Pfluge ging.

Aber der alte Amable wollte von der Heirat nichts wissen. Er widersetzte sich ihr eigensinnig, wie eben ein stocktauber Mann, geradezu wütend.

Cäsar konnte ihm, so viel er wollte, in das Ohr, das noch etwas hörte, brüllen:

– Mir werden Dich gut pflegen, Papa. Ich sage Dir, 's is e famoses Mädel und sparsam und arbeitsam, huje!

Wer Alte antwortete:

– So lange ich lebe wird nischt da draus.

Und nichts konnte ihn überzeugen, nichts konnte seinen Nacken beugen. Für Cäsar gab es nur noch eine einzige Hoffnung. Der alte Amable hatte, da er den Tod nahen fühlte, Angst vor dem Pfarrer. Er fürchtete sich weiter nicht, weder vor Gott noch Teufel noch Hölle noch Fegefeuer von denen er keine rechte Vorstellung hatte, aber er fürchtete den Pfarrer, der für ihn das Begräbnis darstellte, so wie man sich vor dem Arzt fürchten könnte, aus Angst vor Krankheit. Seit acht Tagen quälte Cölestine, die des Alten Schwäche kannte, Cäsar, zum Pfarrer zu gehen. Aber Cäsar zögerte immer, weil er die Leute in den langen schwarzen Röcken auch nicht mochte, da sie für ihn immer die mit dem Klingelbeutel ausgestreckte Hand oder das Sakrament bedeuteten.

Aber er hatte sich dennoch entschlossen und ging zum Pfarrhof, immer überlegend, wie er am besten die Sache machen könne,

Der Abbé Raffin, ein kleiner, beweglicher, hagerer, niemals rasierter Priester wartete auf das Essen, indem er am Küchenfeuer saß und sich die Füße wärmte.

Sobald er den Bauer eintreten sah, fragte er und wendete dazu nur den Kopf:

– Nun Cäsar, was giebt's denn?

– Ich möchte mal mit Sie reden, Herr Pfarrer.

Verschüchtert blieb der Mann stehen, die Mütze in der einen, die Peitsche in der anderen Hand.

– Na, da sprich doch.

Cäsar warf einen Blick auf die Köchin, ein altes Weib, das schlürfend den Tisch in einer Ecke am Fenster für ihren Herrn deckte, und stammelte:

– Nu, 's is nämlich so ne Art Beichte.

Da musterte Raffin genau den Bauer, er sah ihm die Verlegenheit an, die umherwandernden Augen, und befahl:

– Marie, geh mal fünf Minuten auf Dein Zimmer, ich muß mit Cäsar sprechen.

Die Köchin warf einen wütenden Blick auf den Mann und ging brummend davon.

Der Priester sagte:

– Na, nu bete mal Deinen Rosenkranz.

Der Bursche zögerte noch immer, blickte auf seine Holzschuhe, drehte die Daumen, dann entschied er sich plötzlich:

– Nu, ich möchte nämlich die Cölestine Levesque heuern.

– Lieber Freund, was hindert Dich denn?

– Der Vater will nich.

– Dein Vater?

– Ja, mei Vater.

– Was hat denn Dein Vater dagegen?

– Er meent, sie hat schon ee Kind gehabt.

– Nun, sie ist ja die erste nicht, der das passiert, seit unserer Stammutter Eva.

– Ja, aber ee Kind von Victorn, Victor Lecoq, dem Anthime Loisel sei Knecht.

– Ach so. Also er will nicht?

– Nee, er will nich.

– Er will wirklich nicht?

– Nee, er is stätsch wie 'n Esel, wenn Sie erloben.

– Was hast Du ihm denn gesagt, daß er's erlauben soll?

– Na, ich habe gesagt, 's is ee gutes Mädel, fleißig un sparsam.

– Und das nützt nichts? Du willst wohl, daß ich mit ihm reden soll?

– Das 's richtig!

– Ja, und was soll ich denn Deinem Vater sagen?

– Nu, alles was Sie in der Kirche sagen, daß was in den Klingelbeitel kommt.

Für den Bauer bestand der ganze Witz der Religion dann, dem Geldbeutel etwas zu entlocken, die Taschen der Menschen zu leeren, um die himmlischen Kästen zu füllen. Die Sache kam ihm vor wie ein riesiges Handelshaus, in dem die Pfarrer die Kommis waren, gerissene listige Kerls die zum Schaden der Landleute Gottes Geschäfte besorgten.

Er wußte sehr wohl, daß die Priester Dienste leisteten, große Dienste an Armen, Kranken oder Sterbenden, daß sie kamen, trösteten, zuredeten, rieten, aber doch alles aus Geschäftsrücksichten, gegen blinkende Silberstücke, schönes glitzerndes Geld, mit dem man Sakrament und Messe bezahlen mußte, Ratschläge und Schutz, Sündenvergebung und Duldung, Fegefeuer und Paradies, je nach Vermögen und Freigebigkeit des Sünders.

Pfarrer Raffin, der seinen Mann kannte und nie ärgerlich wurde, begann zu lachen:

– Nun, da werde ich Deinem Vater mal so ne kleine Geschichte erzählen. Aber Du, mein Junge, wirst hübsch zur Messe kommen.

Houlbreque hielt die Hand hin, um es zu bekräftigen:

– So wahr ich hier stehe, wenn Sie das thun, mei Wort.

– Nun 's is gut. Wann soll ich denn zu Deinem Vater gehen?

– Nu, so schnell als meglich, gleich, wenn Se können.

– Also nach dem Abendessen, in einer halben Stunde?

– In 'ner halben Stunde.

– Also auf Wiedersehn, mein Junge.

– Gehorsamster Diener, Herr Pfarrer. Ich danke ooch scheen.

– Ist nicht der Mühe wert.

Und Cäsar Houlbreque kehrte heim. Ihm war eine große Last vom Herzen gefallen.

Sie hatten einen kleinen Hof gepachtet, sehr klein, denn weder er noch der Vater waren reich, und sie schlugen sich mit einer Magd und einem Mädchen von fünfzehn Jahren, das ihnen die Suppe kochte, für die Hühner sorgte, die Kühe molk, Butter machte, notdürftig durch, obgleich Cäsar ein guter Landwirt war. Aber sie besaßen weder genug Land noch genug Vieh, um mehr als das Notdürftigste zu erschwingen.

Der alte Mann arbeitete nicht mehr. Er war traurig, wie alle Tauben, krumm gezogen lief er hin auf seinen Stock gestützt und sah mit bösen Blicken Tiere und Menschen an. Manchmal setzte er sich an einen Grabenrand und blieb da bewegungslos stundenlang sitzen, dachte an all das, was ihn sein Leben hindurch beschäftigt, an den Preis der Eier und des Getreides, an Sonne und Regen, die den Ernten schaden oder sie wachsen lassen. Und seine alten Glieder, die vom Rheumatismus geplagt wurden, sogen die Feuchtigkeit des Bodens ein, wie sie seit siebzig Jahren den Mauerdunst des niedrigen Hauses eingesaugt, das mit feuchtem Stroh gedeckt war.

Wenn es dunkel wurde, kehrte er heim, nahm seinen Platz ein am Ende des Tisches in der Küche, und wenn man den irdenen Topf vor ihn gestellt, der die Suppe enthielt, umschloß er ihn mit den Fingern, die die runde Form des Gefäßes beibehalten zu haben schienen und wärmte sich die Hände Winter wie Sommer, ehe er zu essen begann, daß ihm nichts abginge, weder ein wenig Wärme vom teuren Feuer, noch ein Tropfen Suppe, in der Fett und Salz, noch eine Brotkrume, die aus ihrem Getreide gewonnen.

Dann kletterte er über eine Leiter auf den Boden, wo sein Strohsack lag, während der Sohn unten schlief in einer Art Nische am Herd und die Magd sich in einem Kellerloch einschloß, das früher dazu gedient hatte, die Kartoffeln aufzubewahren.

Cäsar und sein Vater sprachen fast nie etwas. Nur ab und zu, wenn die Ernte verkauft werden sollte oder ein Kalb erhandelt, fragte der Junge den Alten um Rat, bildete mit den Händen ein Sprachrohr und brüllte ihm seine Ansicht ins Ohr. Und der alte Amable billigte sie oder bekämpfte sie mit langsamer hohler Stimme, die aus den Tiefen seines Leibes zu kommen schien.

So hatte sich ihm Cäsar eines Abends genähert, und als hätte es sich um einen Pferde- oder Kuhkauf gehandelt, hatte er ihm mit voller Lungenkraft seinen Entschluß ins Ohr gebrüllt, Cölestine Levesque zu heiraten.

Da war der Vater wütend geworden. Weshalb? Aus Sittlichkeit? Nein, gewiß nicht, die Tugend eines Mädchens hat auf dem Lande kaum Wert. Aber sein Geiz, der wütende Sparsamkeitsteufel, der in ihm saß, empörte sich beim Gedanken, daß sein Sohn ein Kind aufziehen wollte, das nicht seines war. Im selben Augenblick hatte er an die viele Suppe gedacht, die das kleine Kind bekommen müßte, ehe es sich erst auf dem Hofe nützlich machen konnte. Er hatte jedes Pfund Brot berechnet, jeden Liter Apfelwein, die es verzehren und trinken würde bis zu seinem vierzehnten Jahr. Und eine Wut packte ihn gegen Cäsar, der sich alles das garnicht überlegte.

Und er hatte mit ungewohntem Stimmaufwand geantwortet:

– Du bist wohl besoffen.

Da hatte Cäsar alle Gründe aufgezählt, alle guten Eigenschaften Cölestines, um zu beweisen, daß sie hundert Mal mehr einbringen würde als das Kind kostete. Aber der Alte zweifelte an ihren Vorzügen, während er an dem Vorhandensein des Kindes nicht zweifeln konnte. Und er antwortete Schlag auf Schlag, ohne darauf einzugehen:

– Ich will nich, ich will nich. So lange ich lebe, wird nischt draus.

Drei Monate lang war es dabei geblieben. Einmal wöchentlich mindestens wurde das Thema wieder aufgenommen mit denselben Gründen, denselben Worten, denselben Bewegungen, derselben Erfolglosigkeit.

Und nun hatte Cölestine Cäsar geraten, den Pfarrer zu Hilfe zu rufen.

Als der Bauer heimkehrte, fand er seinen Vater schon am Tisch sitzen, denn er war wegen des Besuches beim Pfarrer zu spät gekommen.

Sie aßen schweigend einander gegenüber, schmierten nach der Suppe etwas Butter auf ihr Brot und tranken ein Glas Apfelwein. Dann blieben sie unbeweglich auf den Stühlen sitzen in dem Zimmer, das kaum erleuchtet ward durch ein Licht, das das Mädchen mitgenommen hatte, um die Löffel zu waschen, die Gläser auszuwischen und die Butterbemmen zum Frühstück am anderen Morgen im voraus zu schmieren.

Es klopfte an der Thür, und sie öffneten. Der Pfarrer erschien. Der Alte blickte ihn verdächtig, beunruhigt an. Er sah ein Unglück kommen und wollte schon auf seine Leiter klettern, als Pfarrer Raffin ihm die Hand auf die Schultern legte und ihm ins Ohr brüllte:

– Ich muß mit Ihnen reden, Vater Amable.

Cäsar hatte sich durch die offene Thür gedrückt. Er wollte nicht zuhören, so sehr hatte er Angst. Er wollte nicht, daß bei jeder verzweifelten Abwehr seines Vaters seine Hoffnung in Trümmer sank. Er wollte lieber die Wahrheit auf einmal erfahren sei sie gut oder böse. Und er ging in die Nacht hinaus. Es war eine dunkle Nacht ohne Mondschein, ohne Sterne, einer jener nebligen Abende, an denen die Luft mit Wasserdunst gesättigt erscheint. Ein unbestimmter Duft von Äpfeln zog um die Höfe, denn es war die Zeit der Obsternte.

Die Ställe strömten, wenn Cäsar an ihnen hinging durch die winzigen Fenster den warmen Geruch der Tiere aus, die auf dem Mist schliefen. Er hörte das Hin- und Hertreten der stehen gebliebenen Pferde und das Geräusch, das sie machten, wenn sie aus den Krippen Heu zogen und fraßen.

Er ging seines Weges und dachte an Cölestine.

In seinem einfachen Verstand, in dem die Gedanken nur Bilder waren, geradenwegs von den Gegenständen ausgestrahlt, bestand sein Begriff von Liebe nur darin, daß ein großes, rotbäckiges Mädchen vor ihm in einem Hohlweg stand und lachend die Hände in die Seite stemmte.

So hatte er sie an dem Tage, als er sie zuerst begehrt, gesehen und doch kannte er sie von Kindheit auf; aber er hatte sie nie wie an diesem Morgen beachtet. Sie hatten ein paar Minuten geschwatzt, dann war er fortgegangen, und während er ging, sagte er sich: »Gott vertanneboom, das is ee scheenes Mädchen. 's is doch schade, daß se mit dem Victor Dummheeten gemacht hat.« Und bis an den Abend dachte er an sie und auch noch den folgenden Tag.

Als er sie wiedersah, fühlte er einen Kitzel in der Kehle, als ob man ihm eine Feder in den Hals gesteckt hätte. Und von nun ab wunderte er sich jedesmal über dieses merkwürdige nervöse Krabbeln, das immer anfing, wenn er vor ihr stand.

Nach drei Wochen war er entschlossen, sie zu heiraten, so gefiel sie ihm. Er hätte nicht sagen können, woher die Gewalt, die sie auf ihn übte, kam, aber er bezeichnete sie mit den Worten: »Sie hat mich verhext.«

Als wäre die Gier nach diesem Mädchen in ihm so mächtig gewesen, wie eine Gewalt der Hölle. Er kümmerte sich weiter nicht um ihren Fehltritt, das war ja ganz gleich, das schadete ihr nichts, und er war Victor Lecoq nicht böse.

Aber wenn es nun dem Pfarrer nicht glückte, was sollte dann geschehen? Er wagte nicht daran zu denken, so quälte ihn die Unruhe.

Er war bis an den Pfarrhof gegangen und hatte sich an den kleinen Holzzaun gesetzt, um die Rückkehr des Priesters abzuwarten.

Dort saß er etwa eine Stunde, da hörte er Schritte kommen und unterschied bald, obgleich es sehr dunkel war, den dunklen Schatten des Priestergewandes.

Er stand auf mit zitternden Knieen, wagte nicht zu sprechen, aus Furcht, das Ergebnis zu erfahren.

Der Geistliche sah ihn und sagte heiter:

– Nun, mein Junge, das wäre im reinen.

Cäsar stotterte: – Im reinen? Is doch garnich meglich.

– Ja, mein Junge. Aber leicht war es nicht, dein Vater ist ein stätscher alter Esel.

Der Bauer wiederholte: – 's is nich möglich.

– Ja, doch, doch. Komm mal morgen mittag zu mir, wegen des Aufgebotes.

Der Mann hatte die Hand seines Pfarrers ergriffen, er drückte sie, schüttelte sie, preßte sie und stotterte: – Wirklich wahr? Wirklich wahr, Herr Pfarrer? Mei Wort druf, nächsten Sonntag geh' ich zur Messe!

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