Read synchronized with  English  French  Russian 
Oliver Twist.  Charles Dickens
Kapitel 50. Vergebliche Verfolgung
< Prev. Chapter  |  Next Chapter >
Font: 

Unweit des Themseufers, wo die Kirche von Rotherhithe steht und die Bauten schwarz und schmutzig und die Schiffe noch schwärzer von Kohlenstaub sind und die niedrigen Häuser verräucherter noch als irgendwo anders in London, liegt wohl das unflätigste, widerwärtigste und unheimlichste Stadtviertel. Um dorthin zu gelangen, muß man sich durch ein Labyrinth schmaler, enger und schmutziger Straßen hindurchfinden, das von dem rohesten, ärmsten Teil der Flußuferbevölkerung dicht bewohnt ist. In den Laden liegen dort die wohlfeilsten und unappetitlichsten Nahrungsmittel gehäuft, die es geben kann; vor den Trödlerbuden hängen die schmierigsten Lumpen, und Arbeiter der niedrigsten Klasse, Lastträger, Kohlenfuhrleute, dann frech dreinblickende Dirnen und zerlumpte Kinder, kurz, der Auswurf des Themseufers drängt sich hier zusammen. Über Dockhead hinaus, in der Vorstadt Southwark, liegt die Jakobsinsel, von einem Sumpfgraben umschlossen, wohl sechs bis acht Fuß tief und fünfzehn bis zwanzig Fuß breit, wenn Flut ist. Ehemals Mill Town, jetzt Folly Ditch genannt, ist dieser Sumpf ein Themsearm, der von Schleusen reguliert wird. Steht man, wenn das Wasser eindringt, auf einer der Holzbrücken, die über den Graben führen, so kann man sehen, wie die Häuserbewohner von Hintertüren und Fenstern aus Eimer und Küchengeräte aller Art an den Mauern herablassen, um Wasser zu schöpfen, und erblickt hölzerne Galerien, die ein Dutzend Hinterhäuser mitsammen verbindet. Durch mit Papier verklebte und mit Lumpen verstopfte Fenster, aus denen Stangen hervorragen zum Wäschetrocknen, sieht man hinein in dumpfe finstere Stuben mit zerbröckelten schmutzigen Wänden.

Auf der Jakobsinsel fehlen die Dächer über den Speichern, die Wände sind gesprungen und seit dreißig bis vierzig Jahren, als der Konkurs eröffnet wurde über diese Baulichkeiten, wurde nichts mehr repariert, und jetzt ist die Gegend weiter nichts mehr als ein ödes wüstes Eiland.

In einem hochgelegenen Zimmer eines dieser Häuser, das wohl einer Ruine glich, dessen Türen und Fenster jedoch noch fest zu sein schienen, saßen drei Männer beisammen, in dumpfes Schweigen versunken. Sie starrten sich von Zeit zu Zeit mit angsterfüllten Mienen an. Einer von ihnen war Toby Crackitt, der zweite Mr. Chittling, der dritte ein Verbrecher von ungefähr fünfzig Jahren, dem einmal bei einer Rauferei die Nase eingeschlagen worden war und über dessen Gesicht eine furchtbare Narbe hinlief.

Es war ein entlassener Deportierter namens Kags.

»Sie hätten sich lieber eine andre Höhle aussuchen sollen, als die beiden andern zu heiß wurden,« sagte Toby zu Mr. Chittling, »anstatt hierher zu kommen, Sie Strohkopf.«

»Ja, ja, warum hast du's denn nicht getan, du Esel?« fragte Kags.

»Ich bab' geglaubt, ihr würdet euch über meine Anwesenheit freuen,« brummte Mr. Chittling trübselig.

Es trat eine kleine Pause ein. Dann wandte sich Toby Crackitt wieder an Chittling mit der Frage: »Wann haben sie Fagin gefaßt?«

»Gerad' beim Mittagessen, heut' um zwei. Charley Bates und ich sind durch den Schornstein davon, und der Baldowerer wollte sich in dem leeren Waschfaß verstecken, aber sie haben seine langen Beine gesehen und haben ihn erwischt.«

»Und Betsey?«

»Ach, die arme Betsey, die ist sich die Leiche ansehen gegangen, und bei ihrem Anblick hat sie so den Verstand verloren, daß sie sich den Schädel hat einrennen wollen. Dann haben sie ihr eine Zwangsjacke angelegt und sie ins Irrenhaus gebracht. Sie ist noch immer dort.«

»Was ist aus Charley Bates geworden?« fragte Kags.

»Er kommt, sobald es dunkel wird. Er hat sich versteckt. ›Die drei Krüppel‹ sind voll Polizisten.«

»Heut' wird noch so mancher dran glauben müssen,« brummte Toby und biß sich auf die Lippen.

»Es ist gerade Schwurgerichtssaison,« erzählte Kags. »Und wenn der Bolter gegen Fagin aussagt, so hängt der Jud', noch ehe die Woche um ist.«

»Wenn ihr bloß gehört hättet, wie die Leut' gebrüllt haben,« klagte Chitting. »Die Polizisten haben sich wehren müssen aus Leibeskräften, sonst hätte ihnen die Menge den Juden aus den Händen gerissen. Er war schon ganz voll Blut und Dreck und hat sich an die Polizisten geklammert, als ob sie seine besten Freunde wären. Sie haben ihn in die Mitte genommen, und das Volk hat geschrien wie besessen, daß es ihm das Herz aus dem Leibe reißen möchte.«

Entsetzt und schweigend saßen die drei ein paar Minuten da, da hörten sie ein Geräusch auf der Treppe, und gleich darauf sprang Sikes' Hund in die Stube. Er mußte zum Fenster hereingesprungen sein, aber sie konnten es sich nicht erklären wieso; vielleicht war irgendwo noch eine Öffnung vorhanden? Sie spähten durch die Fenster hinab: Sikes war nirgends zu sehen.

»Was hat das zu bedeuten?« fragte Toby. »Hierher wird Sikes doch nicht kommen wollen. Ich will's nicht hoffen.«

»Wenn er die Absicht hätte, wäre er mit dem Hund zugleich gekommen,« meinte Kags und bückte sich zu dem keuchenden Hund nieder. »Gib ihm ein bißchen Wasser. Er ist zum Verrecken müd', scheint mir.«

»Er hat alles bis zum letzten Tropfen ausgesoffen,« sagte Mr. Chittling, nachdem er den Hund eine Zeitlang schweigend gemustert. »Das arme Vieh muß einen langen Weg gemacht haben, es ist fast lahm.«

»Er« – niemand, auch Toby nicht, nannte Sikes beim Namen – »kann sich doch nicht um die Ecke gebracht haben. Was meint ihr?« fragte Chittling.

Toby schüttelte den Kopf.

»Wenn er das getan hätte,« brummte Kags, »würde uns der Hund zu seiner Leiche hinführen. Nein, ich glaube, er ist übers Wasser hinüber und hat den Hund zurückgelassen.«

Es wurde allmählich finster, sie schlossen den Fensterladen, zündeten eine Kerze an und stellten sie auf den Tisch. Dann rückten sie ihre Stühle enger aneinander und schreckten zusammen bei jedem Geräusch, das hörbar wurde, und wenn sie sprachen, geschah es nur im Flüsterton, denn sie schienen von Furcht und Schrecken fast gelähmt. Eine Weile hatten sie so dagesessen, da klopfte es plötzlich heftig an der Türe unten.

»Es wird Charley Bates sein,« sagte Kags und schüttelte sich, um seine Angst niederzukämpfen.

Abermals klopfte es. Nein, das könne Bates nicht sein, der klopfe anders. Toby Crackitt ging zum Fenster und zog gleich darauf blaß den Kopf wieder zurück. Die andern errieten sofort, wer draußen stand und geklopft hatte. Crackitts Miene sagte es ihnen deutlich. Sofort stand auch der Hund auf und lief winselnd zur Türe.

»Wir müssen ihn hereinlassen,« murmelte Crackitt, nahm die Kerze und kam bald darauf mit einem Menschen zurück, der kaum mehr Sikes glich, sondern eher wie ein Geist aussah. Die Wangen fahl, die Augen erloschen und tiefliegend, und Kinn und Wangen voll Bartstoppeln.

Sikes wollte sich auf einen Stuhl am Tisch setzen, dann schauderte er und schob den Stuhl an die Wand.

Keiner der Anwesenden hatte ein Wort gesprochen. Als Sikes endlich das Stillschweigen brach, schreckten die andern drei sichtbar zusammen.

»Wie ist der Hund hier ins Haus gekommen?« fragte Sikes.

»Allein. Vor ein paar Stunden.«

»In der Zeitung steht, sie hätten den Fagin erwischt; ist das wahr oder aufgeschnitten?«

»Wahr.«

Wiederum Schweigen.

»Hölle und Teufel,« fuhr Sikes plötzlich auf und wischte sich mit der Hand über die Stirne. »Habt ihr mir denn gar nichts zu sagen?«

Die andern rückten nur stumm hin und her.

»Wollt ihr mich vielleicht ausliefern,« krächzte Sikes zu Crackitt gewandt. »Oder was ist eigentlich? Laßt ihr mich hier, bis die Hetze vorbei ist?«

»Kannst schon bleiben, wenn du willst,« antwortete Toby zögernd.

Sikes blickte unschlüssig die Wand hinauf, dann sagte er plötzlich:

»Ist – ist – die – Leiche schon begraben?«

Die drei schüttelten die Köpfe.

»Warum nicht?« murmelte Sikes, wieder an der Wand hin und her blickend. »Warum ist sie noch über der Erde? Wer ist da! Wer klopft da?«

Crackitt ging rasch hinaus und kam gleich darauf mit Charley Bates wieder zurück. Als Charley ins Zimmer trat, war der erste, den er sah, Sikes.

»Toby,« rief der Junge und wich zurück, als sich Sikes nach ihm umdrehte, »Toby, warum hast du mir das nicht unten gesagt?«

Sikes sah, wie die drei zusammenschreckten, und hielt dem Jungen die Hand hin, um sich bei ihm einzuschmeicheln. Man sah das Grausen in seinen Augen.

»Ich gehe in ein andres Zimmer,« sagte Charley Bates und wich noch weiter zurück.

»Charley,« schmeichelte Sikes und trat einen Schritt auf ihn zu, »kennst du mich denn nicht? – Kennst du mich denn nicht?«

»Komm nicht näher, komm nicht näher,« stotterte der Junge, wich bis zur Wand zurück und stieß dann schaudernd, dem Mörder ins Gesicht blickend, die Worte aus: »Fort, du Scheusal!«

Sikes blieb stehen, und beide blickten einander starr an. Dann schlug der Mörder allmählich die Augen zu Boden.

»Ihr seid alle drei Zeugen,« schrie der Junge plötzlich auf und schüttelte die Faust. »Ich fürchte mich nicht vor ihm. Ich werde ihn ausliefern, wenn sie ihn hier suchen. Jawohl, das tue ich, daß ihr's nur wißt! Er kann mich ja totschlagen, wenn er sich's getraut, aber wenn ich noch lebe, dann liefere ich ihn aus. Und wenn er bei lebendigem Leibe geröstet werden sollte. Mörder! Hilfe! Hilfe! Wenn einer von euch drei noch ein bissel Courage hat, dann her mit euch. Mörder! Hilfe! Hilfe!«

Und tatsächlich warf sich der schwache Junge auf den breitschultrigen Einbrecher, so daß dieser überrascht von dem Angriff nach rückwärts zu Boden stürzte. Die drei Männer, die den Vorgang mit angesehen, waren wie gelähmt vor Entsetzen. Sie machten keine Miene sich einzumischen, während der Junge und der Mörder sich auf dem Boden wälzten. Charley achtete nicht auf die Fausthiebe, die nur so niederprasselten auf sein Gesicht; – er krallte sich immer fester in die Brust des Verbrechers und schrie aus Leibeskräften um Hilfe.

Der Kampf war zu ungleich, als daß er hätte lange währen können. Schon hatte Sikes seinem Gegner das Knie auf die Brust gesetzt, da riß ihn plötzlich Crackitt mit angstvoller Miene in die Höhe und deutete auf das Fenster.

Von der Straße schimmerten Lichter herauf, man hörte Stimmengewirr und das Getrampel von eiligen Schritten über die nächste Holzbrücke einherkommen. Ein Mann zu Pferd erschien unter der Menschenmenge. Immer mehr und mehr Lichter glänzten auf, dann erscholl lautes Klopfen an der Haustüre und das heisere Gemurmel unzähliger Stimmen.

»Hilfe, zu Hilfe!« schrie der Junge mit gellender Stimme. »Hier ist er, hier ist er! Schlagt die Türe ein!«

»Im Namen des Königs,« rief draußen jemand.

Und wieder kreischte Charley: »Schlagt die Türe ein! Schlagt die Türe ein! Dort, wo das Licht brennt!«

Hageldicht prasselten die Schläge gegen die Haustorfüllung, und ein lautes Hurra hallte empor aus der Volksmenge.

»Reißt das Loch dort auf, damit ich den verfluchten Schreihals einschließen kann,« rief Sikes wütend und schleuderte Charley Bates, ihn hinter sich herschleppend wie einen leeren Sack, hinein in die Bodenkammer. Dann schlug er die Türe zu und schob den Riegel vor. »Ist die Türe zur Treppe sicher und fest?«

»Doppelt verriegelt und zugekettet,« antwortete Crackitt, mit den beiden andern wie versteinert dastehend und unfähig sich zu rühren.

»Sind die Füllungen stark?«

»Mit Eisenblech ausgeschlagen.«

»Und die Fenster?«

»Die Fenster auch.«

»Hölle und Teufel über euch,« schrie der Mörder verzweifelt, riß das Fenster auf und drohte der Menge mit der Faust. »Ja, ja, brüllt nur, mich kriegt ihr doch nicht.«

Ein Wutschrei der Menge zerriß die Luft. Einige riefen, man solle das Haus anzünden, andre schrien den Polizeileuten zu, von ihren Schußwaffen Gebrauch zu machen. Von allen aber am meisten raste und tobte der Mann zu Pferd. Er schwang sich plötzlich aus dem Sattel, drängte sich durch den Volkshaufen, als schwimme er durch tosende Wellen, und schrie mit einer Stimme, die alle andern übertönte:

»Zwanzig Guinees dem, der eine Leiter zur Stelle schafft!«

Der Ruf ging von Mund zu Mund, von hunderten von Stimmen wiederholt. Einige schrien nach Leitern, andre nach Hämmern und Äxten, andre rannten mit Fackelbränden auf und nieder, wie um nach Werkzeugen zu suchen, andre wieder drängten sich wie die Wahnsinnigen vor, den Tumult nur noch vergrößernd. Einige der Verwegensten machten den Versuch, an den Dachrinnen und Mauerrissen in die Höhe zu klettern. Die Köpfe wogten wie ein Kornfeld, das von einem Sturm gepeitscht wird, und von Zeit zu Zeit gellte ein Wutschrei empor, von allen auf einmal ausgestoßen.

»Als ich gekommen bin, war Flut,« sagte Sikes und schloß die Fenster wieder. »Gebt mir rasch einen Strick. Sie sind alle vorne. Ich lasse mich unterdessen hinten in den Graben hinunter. Schnell einen Strick her, oder ich lad' mir noch drei Mordtaten aufs Gewissen.«

Vor Schrecken fast gelähmt wies Chittling in einen Winkel, in dem Tauwerk lag. Hastig wählte Sikes einen der stärksten Stricke aus, eilte eine Treppe hinauf und stieg aufs Dach.

Die rückwärtigen Fenster des Hauses waren schon seit Jahren zugemauert, nur eine kleine Dachluke nicht, die zu dem Raume führte, wo Charley Bates eingeschlossen lag. Ununterbrochen rief jetzt der Junge aus dieser Öffnung herab der Menge zu, alle Seiten des Hauses zu überwachen, und als daher der Mörder in der Dachluke auftauchte und oben am Giebel sich zeigte, ertönte von allen Seiten Triumphgeschrei, so daß er sah, er werde nicht entrinnen können.

»Jetzt haben wir ihn!« schrie ein Mann von der Brücke in die Menge hinein. »Hurra!«

Einen Augenblick wogte eine Wolke von Hüten aus der Menschenmasse, und wieder wuchs das Gebrüll an.

»Wer ihn lebendig faßt, kriegt fünfzig Pfund,« rief ein alter Herr, der ebenfalls auf der Brücke stand, so laut er konnte. »Ich bleibe hier und warte.«

Ein Ruf mischte sich in das allgemeine Geschrei: das Haustor sei endlich erbrochen, und daß der Herr, der zuerst nach einer Leiter gerufen hätte, ins Zimmer hineingeklettert wäre. Der Menschenstrom staute sich sofort, wie diese Meldung von Mund zu Mund ging. Alles wälzte sich zu dem Fleck hin, den es vorhin verlassen hatte. Jeder wollte in die Nähe der erbrochenen Türe gelangen, um den Verbrecher sehen zu können, sobald ihn der Polizist herausbrächte.

Infolge des furchtbaren Gedränges wurde die Aufmerksamkeit von der Person des Mörders einen Augenblick abgelenkt.

Sikes, der, ein paar Minuten fast gelähmt durch den Anblick der rasenden Menge, unschlüssig dagekauert hatte, nahm sofort die günstige Gelegenheit wahr. Er sprang auf die Füße und beschloß, den letzten Rettungsversuch zu wagen und sich, selbst auf die Gefahr hin, im Schlamm zu ersticken, hinab in den Sumpfgraben zu lassen, um dann mit Hilfe der Dunkelheit und der allgemeinen Verwirrung zu entkommen. Die Hoffnung gab ihm neue Kraft, und der wilde Lärm, der immer näher und näher kam im Hause, sagte ihm, daß es höchste Zeit sei. Mit zwei Sätzen war er beim Schornstein des Giebels, legte ein Ende seines Strickes darum und hatte im Nu an dem andern eine starke Laufschlinge geknüpft, so daß er sich fast bis auf Manneslänge herablassen konnte. Dann nahm er sein Messer in den Mund, um es zur rechten Zeit bei der Hand zu haben, das Seil durchzuschneiden und sich in den Sumpfgraben fallen zu lassen.

In demselben Augenblick, als er sich die Schlinge über den Kopf zog, um sie unter den Armen zu befestigen, rief der erwähnte alte Herr wieder laut in die Menge hinein, sie möchten auf die Rückseite des Hauses acht geben. In diesem Moment blickte Sikes hinter sich und stieß einen lauten Schrei des Entsetzens aus.

»Wieder die Augen!« gellte er mit einer Stimme, die aus einer andern Welt zu kommen schien, taumelte, verlor das Gleichgewicht und stürzte über den Giebel die Mauer hinab. Die Schlinge faßte ihn am Halse, zog sich infolge des Falles straff zusammen, und Sikes stürzte fünfundzwanzig Fuß tief ab. Ein entsetzlicher Ruck, dann hing er regungslos, das Messer noch immer in der erstarrten Faust, zwischen Himmel und Erde.

Der alte Schornstein erbebte unter dem Anprall der Erschütterung, aber er hielt aus. Der tote Mörder pendelte hin und her, und Charley Bates stieß die schaukelnde Leiche, die ihm die Aussicht benahm, beiseite, und rief der Menge unten zu, sie sollte doch um Gottes willen heraufkommen und ihn befreien.

Sikes' Hund, der bis jetzt verborgen irgendwo gelegen hatte, lief mit einem schrecklichen Geheul auf dem Dach hin und her, und endlich sprang er auf die Schulter des Toten. Unfähig, sich festzuklammern, stürzte er hinab in den Graben, überschlug sich während des Sturzes, fiel mit dem Schädel auf einen spitzigen Stein und blieb tot liegen.