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Einige Grade unter Null. – Untersuchung der Sumpfstrecken im Südosten. – Eine Art Füchse. – Ansicht des Meeres. – Ein Gespräch über die Zukunft des Pacifischen Oceans. – Die Arbeit der Infusorien. – Was einmal aus der Erde wird. – Die Jagd. – Der Fuchsenten-Sumpf.

Von nun an verging kein Tag, an dem Pencroff seinem »Weizenfelde«, wie er es gern nannte, einen Besuch abstattete, und wehe den Insecten, die er in seiner Nähe fand, – sie hatten kein Erbarmen zu erwarten.

Gegen Ende des Monats Juni schlug die Witterung nach wahrhaft endlosem Regen zur Kälte um, und am 29. hätte ein Thermometer wohl sechs bis sieben Grad unter Null gezeigt.

Der nächste Tag, der 30. Juni, der also dem 31. December der nördlichen Hemisphäre entspricht, war ein Freitag. Nab bemerkte, daß das Jahr mit einem Zuglückstage aufhöre, wogegen ihm Pencroff erwiderte, daß das nächste also mit einem desto besseren anfangen müsse, was doch wohl noch mehr werth sei.

Auf jeden Fall fing das neue Jahr, wenn man hier überhaupt von einem solchen reden kann, mit einer recht heftigen Kälte an. Bald häuften sich Eisschollen an der Mündung der Mercy an und erstarrte die ganze Oberfläche des Sees.

Der Vorrath an Brennmaterial mußte mehrfach erneuert werden. Klugerweise hatte Pencroff nicht bis zum vollkommenen Gefrieren des Flusses gewartet, umfänglichere Holzladungen nach ihrem Bestimmungsorte zu führen. Die Strömung, der unermüdliche Helfer, wurde tagtäglich benutzt, Holz zu flößen, bis es die strengere Kälte verhinderte. Zu dem reichlichen aus dem Walde bezogenen Brennmaterial fügte man auch noch einige Ladungen Steinkohlen aus dem Lager am Fuße des Franklin-Berges. Die starke Heizkraft der Kohlen lernte man erst recht schätzen, als die Temperatur am 4. Juli etwa auf minus zwölf bis dreizehn Grad Celsius herabsank. Man versah deshalb auch noch den Speisesaal, der zu den gemeinschaftlichen Arbeiten diente, mit einem Kamine.

Während dieser Kälteperiode konnte sich Cyrus Smith nicht genug Glück wünschen, aus dem Grants-See einen kleinen Wasserlauf nach dem Granithause geleitet zu haben. Da derselbe unter der Eisdecke seinen Anfang nahm, blieb das Wasser, bei dem scharfen Falle durch die frühere Abflußrinne, immer flüssig und sammelte sich in einem bequem gelegenen Reservoir, von dem aus das überschüssige durch den senkrechten Schacht nach dem Meere ablief.

Bei der jetzt ausnehmend trockenen Witterung beschlossen die Colonisten, die sich so warm als möglich bekleideten, einen Tag zu einem Ausfluge nach jenem Theile der Insel zu verwenden, der im Südosten zwischen der Mercy und dem Krallen-Cap lag. Er bestand aus einem großen, sumpfigen Terrain, und versprach eine erfolgreiche Jagd, da er Wasservögel in Menge bergen mußte.

Da der Weg wohl neun Meilen und der Rückweg also ebenso viel betrug, so mußte die Tageszeit gut ausgenutzt werden, und da es sich um die Erforschung noch gänzlich unbekannter Strecken handelte, sollte die ganze Colonie daran theilnehmen. So verließen denn Cyrus Smith, Gedeon Spilett, Harbert, Nab und Pencroff am Morgen des 5. Juli schon früh um sechs Uhr, als kaum der Tag zu grauen begann, Alle mit Spießen, Schlingen, Pfeilen und Bögen ausgerüstet, das Granithaus, und fröhlich sprang der jagdlustige Top vor ihnen her.

Man schlug den kürzesten Weg ein, nämlich den über die Mercy, deren Eisdecke jetzt einen Uebergang gestattete.

»Aber, bemerkte der Reporter, eine ernsthafte Brücke vermag das doch nicht zu ersetzen.«

So wurde denn der Bau einer »ernsthaften« Brücke unter den zunächst vorzunehmenden Arbeiten verzeichnet.

Zum ersten Male setzten die Colonisten den Fuß auf das rechte Ufer des Flusses und drangen zwischen die großen und prächtigen, jetzt schneebedeckten Coniferen desselben hinein.

Noch hatten sie keine halbe Meile zurückgelegt, als aus dichtem Gesträuche, das als Lager gedient zu haben schien, eine ganze Heerde Vierfüßler durch Tops Gebell aufgescheucht wurde.

»O, man könnte jene für Füchse halten!« rief Harbert, als er die ganze Gesellschaft eiligst entfliehen sah.

Wirklich waren es solche, aber von sehr großer Gestalt, und ließen ebenfalls eine Art Bellen hören, über das selbst Top erstaunte, denn er stellte plötzlich jede Verfolgung ein und gewährte den schnellfüßigen Thieren Zeit zum Entkommen.

Tops Stutzen war ganz erklärlich. Durch ihr Gebell indeß verriethen diese Füchse mit grauröthlichem Pelze, schwarzem Schwanze mit weißem Endbüschel ihr Geschlecht jedem Naturkundigen deutlich genug. Harbert erkannte sie sofort als eine Abart, die man in Chili und überhaupt in denjenigen Gegenden Amerikas häufig antrifft, welche vom siebenunddreißigsten und vierzigsten Breitengrade begrenzt werden. Der junge Mann bedauerte sehr, daß Top kein einziges dieser Raubthiere gefangen hatte.

»Sind sie eßbar? fragte Pencroff, der alle Repräsentanten der Fauna ihrer Insel nur von diesem speciellen Gesichtspunkte aus betrachtete.

– Nein, erwiderte Harbert; übrigens sind die Zoologen wegen der Pupillen dieser Füchse noch nicht einmal einig, ob sie nicht etwa dem eigentlichen Hundegeschlechte beizuzählen sind.«

Cyrus Smith konnte sich des Lächelns nicht erwehren, als er den jungen Mann so ernsthaft dociren hörte. Für den Seemann hatten natürlich diese Füchse, seitdem er sich von ihrer Nichtverwendbarkeit als Nahrungsmittel unterrichtet, keinerlei Werth mehr. Er erwähnte nur, daß man nach Errichtung eines Viehhofes beim Granithause einige Maßregeln gegen den Besuch dieser Burschen nicht würde vernachlässigen dürfen, worin ihm Alle beistimmten.

Nach Umgehung der Inselspitze sahen die Wanderer eine lange ebene Fläche vor sich, welche wenig geneigt gegen das Meer verlief, Der Himmel war sehr rein, sowie es bei lange andauernder starker Kälte vorzukommen pflegt; durch ihr schnelles Gehen erwärmt fühlten aber Cyrus Smith und seine Gefährten die Rauhigkeit der Temperatur fast gar nicht. Uebrigens regte sich kein Lüftchen, ein sehr günstiger Umstand, durch den auch eine bedeutende Temperatur-Erniedrigung weit erträglicher wird. Glänzend, aber ohne Wärme, stieg die Sonne aus dem Ocean empor und zog ihre enorme Scheibe über den Horizont; das Meer bildete eine ruhige Fläche von bläulicher Farbe, wie die eines Landsees bei reinem Himmel. Etwa vier Meilen im Südosten erstreckte sich das Krallen-Cap, wie ein Yatagan gekrümmt, weit sichtbar in's Weite. Gewiß, in diesem Theile der Union-Bai, welche Nichts gegen die offene See schützte, nicht einmal eine Sandbank, hätten vom Ostwind verschlagene Schiffe keinerlei Schutz gefunden. An der Stille dieses Wassers, seiner gleichmäßigen, von keiner gelblichen Nuance unterbrochenen Farbe, an dem Fehlen jeden Risses merkte man, daß diese Küste steil abfiel und der Ocean ungemessene Abgründe bedecken mochte. Rückwärts im Westen erhoben sich, doch in einer Entfernung von gegen vier Meilen, die ersten Baumlinien der Wälder des fernen Westens. Man hätte aber im Ganzen eher auf einer verlassenen Insel der Polargegend zu sein geglaubt, die vom Eise umschlossen wäre.

Die Colonisten machten Halt, um zu frühstücken. Aus Zweigen und trockenen Varecbüscheln wurde ein Feuer angezündet, und Nab legte kaltes Fleisch vor, dem er einige Tassen Oswego-Thee hinzufügte.

Während des Essens ließ man die Blicke umherschweifen. Dieser Theil der Insel Lincoln erschien vollkommen unfruchtbar und stach von dem westlichen ganz auffallend ab. Den Reporter verführte diese Beobachtung zu der Bemerkung, daß sie einen sehr traurigen Eindruck von ihrem zukünftigen Wohnsitz erhalten haben würden, wenn der Zufall sie als Schiffbrüchige auf diesen Küstenstrich geworfen hätte.

»Ich glaube sogar, daß wir ihn nicht einmal hätten erreichen können, denn das Meer ist hier sehr tief und bietet kaum einen Felsen als nothdürftigste Zuflucht. Vor dem Granithause befanden sich doch Sandbänke und ein Eiland, welche mehr Gelegenheit zur Rettung boten. Hier ist nichts als die Tiefe des Meeres.

– Es ist sehr sonderbar, fügte Gedeon Spilett hinzu, daß die verhältnißmäßig kleine Insel einen so verschiedenartigen Boden aufweist. Gewöhnlich trifft man das doch nur bei Continenten von großer Ausdehnung. Man möchte sagen, daß die so reiche und fruchtbare westliche Seite der Insel Lincoln von den warmen Fluthen des Mexikanischen Golfs bespült werde, während seine nördliche und südliche Küste bis an ein arktisches Meer reichen.

– Sie haben Recht, lieber Cyrus, dieselbe Bemerkung habe ich auch gemacht. Mir erscheint diese Insel ihrer Form und ihrer Natur nach ebenso sonderbar. Man möchte sie eine Musterkarte der verschiedenen Bilder nennen, die ein Continent liefert, und ich finde es gar nicht so unmöglich, daß sie früher einmal zu einem solchen gehört habe.

– Wie? Ein Continent mitten im Stillen Weltmeere? rief Pencroff.

– Warum nicht? antwortete Cyrus Smith. Warum sollten nicht alle diese pacifischen Archipele, welche die Geographen Australasien nennen, vor Zeiten einen sechsten Erdtheil, so groß wie Europa oder irgend ein anderer, dargestellt haben? Mir ist es nicht so unwahrscheinlich, daß alle diese über den ungeheuren Ocean verstreuten Inseln nur die höchsten Punkte eines nun versunkenen Continentes sind, der in vorhistorischen Zeiten über das Wasser emporragte.

– Und die Insel Lincoln wäre ein Theil desselben? fragte Pencroff.

– Sehr wahrscheinlich, erwiderte Cyrus Smith, das würde die Verschiedenheit ihrer Producte am einfachsten erklären.

– Und ebenso die große Anzahl Thiere, die sie jetzt bewohnt, fügte Harbert hinzu.

– Gewiß, mein Sohn, bestätigte der Ingenieur; übrigens lieferst Du mir hierdurch einen neuen Beweis meiner Ansicht. Unzweifelhaft ist, wie wir uns schon überzeugt haben, die große Anzahl der Thiere; viel auffallender erscheint aber noch die große Verschiedenheit der Arten. Hierfür bietet sich nur die eine Erklärung, daß die Insel Lincoln einst ein Bestandtheil eines ausgedehnten Continentes gewesen ist, der nach und nach versank.

– Dann könnte also eines schönen Tages, bemerkte Pencroff, der noch nicht völlig überzeugt schien, der Rest dieses alten Continentes auch noch in's Meer versinken, und zwischen Amerika und Asien läge dann gar nichts mehr?

– Dafür, erwiderte Cyrus Smith, wird es dann neue Continente geben, an welchen Milliarden von Milliarden kleiner Thiere jetzt schon bauen.

– Und wer sind wohl diese Maurer? fragte Pencroff.

– Die Korallenthierchen, belehrte ihn der Ingenieur. Sie waren es, welche durch unausgesetzte Thätigkeit z.B. die Insel Clermont aufgeschichtet haben, ebenso wie viele andere Koralleninseln des Pacifischen Oceans. Erst 47,000,000 solcher Infusorien wiegen einen Gran ( = 5,9 Milligramme), und doch erzeugen diese durch Absorbirung von Meeressalzen den Kalk, der die enormen unterseeischen Risse zusammensetzt, deren Härte und Festigkeit mit dem Granit wetteifern. Noch früher, bei Gelegenheit der ersten Schöpfungsperioden, drängte die Natur durch Feuerskraft die Landmassen empor; jetzt überträgt sie dieses Geschäft mikroskopischen Thierchen, da die Kräfte des Erdeninnnern offenbar abgenommen haben, was durch die große Zahl thatsächlich erstorbener Vulkane bewiesen wird. Ich neige sogar zu der Meinung, daß wenn einst Jahrhunderte auf Jahrhunderte gefolgt sind, sich das ganze Stille Weltmeer wieder in einen großen Continent verwandeln wird, auf dem dereinst neue Geschlechter wohnen.

– Das wird lange dauern! sagte Pencroff.

– Der Natur fehlt nicht die Zeit dazu, antwortete der Ingenieur.

– Wozu sollen aber diese neuen Continente dienen? fragte Harbert. Mir scheinen die vorhandenen für die Menschheit völlig auszureichen, und doch thut die Natur bekanntlich Nichts ohne Zweck.

– Nichts ohne Zweck, wiederholte der Ingenieur: doch ist man wohl auch im Stande, die Nothwendigkeit dieser neuen Landmassen für die Zukunft jetzt zu erklären, vorzüglich in der an Korallenriffen so reichen Tropenzone. Wenigstens erscheint diese Erklärung ziemlich annehmbar.

– Sprechen Sie, Mr. Cyrus, wir hören gern.

– Nun, mein Gedanke ist etwa folgender: Im Allgemeinen geben die Gelehrten zu, daß die Erde einmal untergehe oder vielmehr, daß in Folge der fortwährenden Abkühlung, der sie unterliegt, das thierische und pflanzliche Leben zur Unmöglichkeit werden müsse; nur über die Ursache dieser Erkaltung sind sie noch nicht ganz einig. Die Einen glauben, daß sie eine Folge der in Millionen von Jahren nothwendigen Abkühlung der Sonne sein wird, die Andern nehmen an, daß das Feuer im Innern der Erdkugel nach und nach ganz verlösche; das Feuer, dem sie einen viel weiter reichenden Einfluß zuschreiben, als man gewöhnlich annimmt. Ich für meinen Theil neige mehr der letzteren Anschauung zu, unter Zugrundelegung der Thatsache, daß der Mond ja ein solcher erkalteter Weltkörper ist, während die Sonne ihm noch heute dieselben Wärmestrahlen wie uns zusendet. Ist aber der Mond erstarrt, so kann das in diesem Falle nur von dem Verlöschen der Feuer in seinem Innern herrühren, denen er wie alle Gebilde des Planetensystems seinen Ursprung verdankt. Doch aus welchem Grunde das auch geschehe, jedenfalls wird unser Erdkörper einmal erkalten, wenn das auch nur ganz allmälig vor sich geht. Was muß die Folge sein? Gewiß werden die gemäßigten Zonen ebenso unbewohnbar werden, wie es jetzt die am Pole sind. Die Bevölkerung an Menschen und Thieren wird nothwendig in der von der Sonne noch stärker erwärmten tropischen Zone zunehmen, es wird eine ungeheure Völkerwanderung werden. Europa, Asien, das nördliche Amerika, Australasien und die südlicheren Theile Süd-Amerikas müssen nach und nach verlassen werden. Die Vegetation folgt dann dem Menschen nach. Flora und Fauna werden sich gleichzeitig nach dem Aequator hinziehen. Die tropischen Theile Amerikas und Afrikas entwickeln sich zu den am meisten bewohnten Continenten. Lappen und Samojeden finden die gewohnten klimatischen Verhältnisse des Polarmeeres etwa am Mittelländischen Meere wieder. Wer sagt uns nun, daß jener Zeit die Aequatorgegenden nicht zu klein sein möchten, die ganze Menschheit aufzunehmen und zu ernähren? Warum sollte die Alles voraussehende Natur, um der pflanzlichen und thierischen Auswanderung Raum zu gewähren, nicht schon jetzt für die Grundlagen eines neuen Continentes unter dem Aequator sorgen, deren Zurichtung sie jenen Infusorien anvertraut? Ich habe diese Sache nicht selten überdacht und glaube es ernstlich, daß unsere Erdkugel dereinst vollständig umgewandelt werden wird, daß in Folge des Auftauchens neuer Continente die alten von den Meeren überfluthet und daß ein Columbus späterer Jahrhunderte die Insel Chimboraco, Himalaja oder Montblanc, die Reste des untergegangenen Amerikas, Asiens und Europas, entdecken wird. Endlich kommen auch diese neuen Continente in den Zustand der Unbewohnbarkeit; ihre Wärme entschwindet, wie die eines Körpers, den die Seele verließ, und alles Leben erlischt, wenn auch nicht für immer, so doch auf gewisse Zeit, von unseren Planeten. Vielleicht ruht er dann nur aus, um aus dem Tode zu einem neuen, höher organisirten Leben zu erwachen! Alles das, meine Freunde, ist aber das alleinige Geheimniß des Schöpfers aller Dinge, und ich habe mich wohl von dieser Arbeit der Infusorien etwas zu weit fortreißen lassen.

– Mein lieber Cyrus, antwortete Gedeon Spilett, diese Theorien gelten für mich als Prophezeihungen und werden eines Tages in Erfüllung gehen.

– Das weiß nur Gott, entgegnete der Ingenieur.

– Es ist Alles ganz gut und schön, ließ sich da Pencroff vernehmen, aber können Sie mir auch noch sagen, Mr. Cyrus, ob die Insel Lincoln von Infusorien aufgebaut worden ist?

– Nein, erwiderte Cyrus Smith, sie ist rein vulkanischen Ursprungs.

– Demnach wird sie eines Tages auch mit untergehen?

– Sehr wahrscheinlich.

– Ich hoffe, daß wir dann nicht mehr hier sind.

– O nein, darüber können Sie ruhig sein, Pencroff, denn wir haben keine Luft, hier zu sterben, und werden doch einmal Gelegenheit finden, wieder wegzukommen.

– Inzwischen, meinte Gedeon Spilett, richten wir uns wie für die Ewigkeit ein. Man muß Nichts zur Hälfte thun!«

Hiermit endete die Unterhaltung. Das Frühstück war vorüber; die Colonisten zogen weiter und gelangten nach der Grenze der sumpfigen Gegend.

Dieselbe mochte bis zu dem abgerundeten Seeufer im Südosten wohl zwanzig Quadrat-Meilen einnehmen. Der Boden bestand aus lehmigthonigem, mit vielen Pflanzenresten untermischtem Schlamme. Wie ein dichter Sammet bedeckten ihn Wassermoose, Binsen und Teichlinsen, nur einige wasserreiche Stellen freilassend, in welchen sich die Sonne wiederspiegelte. Diese Wasserbecken konnten weder durch den Regen, noch durch vorübergehendes Hochwasser eines Flusses angefüllt worden sein und verdankten ihre Entstehung offenbar nur Bodeninfiltrationen, auch legten sie die Befürchtung nahe, daß sie während der Sommerhitze die Luft mit jenen verderblichen Miasmen schwängerten, welche die Ursachen der Sumpffieber sind.

Ueber den Wasserpflanzen wimmelte an der Oberfläche der stehenden Gewässer eine ganze Welt von Vögeln. Bei einer Wasserjagd wäre hier wohl kein Schuß verschwendet gewesen. Wilde und langgeschwänzte Enten und Becassinen flatterten in ganzen Gesellschaften umher und ließen sich, da sie nicht scheu waren, leicht nahe kommen. Ein einziger Schrotschuß hätte gewiß einige Dutzend erlegen müssen, so dicht waren ihre Schwärme. Freilich mußte man sich jetzt begnügen, sie mit Pfeilen zu schießen.

War der Erfolg dabei auch nur ein geringerer, so hatte das Verfahren doch den Vortheil, die anderen weniger zu erschrecken, die auf einen Flintenschuß wohl nach allen Seiten auseinander gestoben wären.

Die Jäger nahmen also für diesmal mit einem Dutzend Enten vorlieb. An ihrem weißen Körper mit zimmtsarbenem Gürtel, dem grünen Kopfe, den schwarzen, weißen und rothen Flügeln und dem abgeplatteten Schnabel erkannte sie Harbert sofort als »Tadorne« (sogenannte Fuchs- oder Brandenten). Top half bei dem Fange der Vögel redlich mit, deren Namen man der Umgegend beilegte, die für die Colonisten eine reiche Vorrathskammer von Wassergeflügel bildete. Später gedachte man diese ernster auszubeuten, und vielleicht ließen sich einige Arten jener Vögel wenn nicht zähmen, so doch in den Umgebungen des Grants-Sees ansiedeln, wodurch sie den Consumenten bequemer erreichbar wurden.

Um fünf Uhr Abends schlugen Cyrus Smith und seine Gefährten den Rückweg ein, überschritten die »Tadorne-Sümpfe« und die Eisdecke der Mercy, so daß um acht Uhr Alle im Granithause glücklich zurück waren.